Ist Ihr System gesund? Eine Checkliste zum Selbermachen

Vor kurzem habe ich hier einen Gedanken aufgeschrieben, der mehr Resonanz ausgelöst hat als erwartet: Viele Systeme leiden heute an einer Art Systemic Mad Cow Disease. Die Rückmeldungen kamen aus Unternehmen, aus der Verwaltung, aus Vereinen – und fast alle liefen auf denselben Satz hinaus: Das beschreibt genau, was ich beobachte, aber nie so benennen konnte.

Weil so viele gefragt haben, wie man diese Krankheit im eigenen Umfeld erkennt, gibt es jetzt ein praktisches Werkzeug dazu. Doch zuerst kurz zur Idee dahinter.

Warum der Vergleich trägt

Der BSE-Skandal der 1990er-Jahre hatte eine denkbar einfache Ursache: Man verfütterte Wiederkäuern die Reste ihrer eigenen Art, um Kosten zu sparen. Herbivoren bekamen Tiermehl. Das Ergebnis war eine Krankheit, die sich erst Jahre später zeigte – und deren Beseitigung ein Vielfaches dessen kostete, was man zuvor gespart hatte. Über hunderttausend erkrankte Tiere, ein Verbot der falschen Futtermittel, die Entfernung von Hirn und Rückenmark aus der Nahrungskette.

Die Lehre daraus ist nicht veterinärmedizinisch, sie ist strukturell: Ein System, das seine eigene Substanz verfüttert, um kurzfristig zu sparen, erkrankt langfristig. Und wie bei BSE zeigt sich der Schaden mit Verzögerung – dann, wenn er kaum noch zu heilen ist.

Systeme wachsen nicht von selbst gesund

Das ist der Punkt, der mir wichtig ist: Von Menschen geschaffene Systeme wachsen nicht zwingend organisch. Anders als ein Wald oder ein Körper, die sich über lange Zeiträume an ihre Umwelt angepasst haben, entstehen Organisationen, Verwaltungen und Regelwerke am Reißbrett. Mit guten Absichten, aber ohne eingebaute Selbstkorrektur. Was gestern sinnvoll war, kann heute die eigene Substanz verzehren, ohne dass es jemand bemerkt.

Genau deshalb müssen solche Systeme immer wieder kritisch geprüft werden. Nicht aus Misstrauen, sondern aus Verantwortung.

Ein aktuelles Beispiel liegt für uns auf der Hand. Die Nationalbank hat nachgerechnet, wie das Sparpaket wirkt: Familien mit Kindern und Menschen mit geringem Einkommen verlieren prozentuell am meisten. Der Haupttreiber ist das Einfrieren der Familienleistungen – eine politische Entscheidung, kein Sachzwang. Ein System, das ausgerechnet seine tragende Mitte belastet und den Schaden erst in einer künftigen Demografie sichtbar werden lässt, zeigt genau die Symptome, um die es hier geht.

Die Checkliste

Aus der Idee ist ein Diagnosebogen geworden. Er prüft in fünf Symptomclustern, ob ein System seine eigene Substanz verbraucht:

  1. Fehlernährung – belohnt das System die falschen Dinge?
  2. Kannibalisierung der Substanz – spart es dort, wo es eigentlich getragen wird?
  3. Verzögerte Rückkopplung – bleibt der Schaden unsichtbar, weil die Bilanz kurzfristig gut aussieht?
  4. Diagnoseverweigerung – müssen Externe beweisen, was Beteiligte längst wissen?
  5. Fehlende Immunantwort – läuft die schädliche Praxis auch nach erkannter Ursache weiter?

Fünfzehn Fragen, eine klare Auswertung von „gesund“ bis „akut“. Der Bogen lässt sich auf jedes System anwenden – vom eigenen Team über einen Verein bis zur Budgetpolitik.

Er ist mit einem zwinkernden Auge geschrieben und zugleich ganz ernst gemeint. Und er ist ehrlich in seinen Grenzen: Der Bogen misst Wahrnehmung, nicht Realität. Er strukturiert das Nachdenken über ein System – für belastbare Aussagen braucht es Zahlen. So wie die Nationalbank sie geliefert hat.

Zum Ausprobieren

Die Checkliste steht kostenlos zum Download bereit und darf frei geteilt werden. Wenden Sie sie auf ein System an, das Sie gut kennen – und seien Sie ehrlich beim Ankreuzen. Oft ist der erste Schritt zur Heilung, die Krankheit überhaupt beim Namen zu nennen.

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Mehr Informationen

Dazu passend: Ein Teil Internet Popkultur: Mad Cow. Es handelt sich um eine alte Internet-Klassiker-Soundeffekt aus der Windows 98-Ära. Die Präsentation hieß ungefähr:

  • „How to identify a mad cow“ oder „How to spot a mad cow“

Darin wird ein normales Kuh-Muh einem „verrückten“ Mad-Cow-Lachen gegenübergestellt – genau dieses lange „Muuu… hahaha!“-Gelächter, das du meinst. Der Sound wurde damals als Witz herumgereicht (als WAV-Datei), landete auf Soundboards, in Foren und wurde später in YouTube-Videos hochgeladen.

Details zum Original

Der YouTube-Video, den du verlinkt hast („Crazy Cow Laugh“ von OblukaneTV), ist nur eine spätere Video-Version dieses alten Sounds. Der Soundeffekt besteht aus einem normalen Muh + mehreren hysterischen Muhs mit verrücktem Lachen („provided by voice“). Er wurde speziell für diese komödiantische PowerPoint erstellt.

Guntram Bechtold, Obmann Vorarlberger Familienverband