Zwölf Jahre Wirkungsmonitoring UG 25: Die Bilanz ist ernüchternd

Der österreichische Familienlastenausgleich verteilt jährlich über 8,6 Milliarden Euro. Das Wirkungsmonitoring des Bundeskanzleramts dokumentiert seit 2013, ob dieses Geld die gesetzten Ziele erreicht. Die Ergebnisse zeigen einen klaren Bruch: Zwischen 2013 und 2018 wurde das Wirkungsziel durchgängig als „zur Gänze“ oder „überplanmäßig“ erreicht bewertet. Seit 2019 pendelt die Beurteilung zwischen „teilweise“ und „überwiegend“ erreicht.

Zwei Kennzahlen werden dauerhaft verfehlt: Die Gesamtfertilitätsrate sinkt kontinuierlich (2024: 1,31), und die Armutsreduktion durch Familientransfers bleibt seit Einführung der Kennzahl unter dem Zielwert. Gleichzeitig weist der FLAF stabile Überschüsse aus – finanziert wird also ausreichend, die Wirkung bleibt hinter den Erwartungen. Eine Analyse der Daten von 2013 bis 2024.

Wirkungsziel 1 – UG 25 Familie und Jugend
(2013–2024)

Lasten- und Leistungsausgleich zwischen kinderlosen Personen und Eltern mit Unterhaltspflichten

Gesamtübersicht Zielerreichung

JahrRessortGesamtbeurteilung
2013BMWFJzur Gänze erreicht
2014BMFJüberplanmäßig erreicht
2015BMFJüberplanmäßig erreicht
2016BMFJzur Gänze erreicht
2017BMFJzur Gänze erreicht
2018BKAzur Gänze erreicht
2019BKAüberwiegend erreicht
2020BMAFJteilweise erreicht
2021BKAteilweise erreicht
2022BKAüberwiegend erreicht
2023BKAüberwiegend erreicht
2024BKAteilweise erreicht

FLAF – Gebarungsvolumen (auszahlungsseitig)

JahrVolumen (Mrd. EUR)
2013–2019ca. 7
2020ca. 8
2021ca. 7,6
2022ca. 8,1
2023ca. 8,168
2024ca. 8,651

Kennzahlen im Zeitverlauf (ab 2021 neue Kennzahlenstruktur)

Kennzahlenstruktur 2013–2020

Kennzahl20132014201520162017201820192020
FLAF-Finanzierungsfähigkeit/Schuldenstandüberplanmäßigüberplanmäßigüberplanmäßigüberplanmäßigzur Gänzezur Gänzenicht erreichtnicht erreicht
FLAF-Abgang/Überschussk.A.überplanmäßigüberplanmäßignicht erreichtnicht erreichtzur Gänzenicht erreichtnicht erreicht
Familienbeihilfe/Erhöhungzur Gänzezur Gänzezur Gänzezur Gänzezur Gänzezur Gänzezur Gänze
Gesamtfertilitätsratezur Gänzeüberplanmäßigüberplanmäßigüberplanmäßigüberplanmäßignicht erreichtnicht erreichtnicht erreicht

Kennzahlenstruktur 2021–2024

Kennzahl2021202220232024
25.1.1 Dienstgeberbeiträge/Erlöse DGB zum FLAFüberplanmäßigüberplanmäßigüberplanmäßigüberwiegend
25.1.2 Familienquotenicht vorhandenüberplanmäßigüberplanmäßigüberplanmäßig
25.1.3 Armutsreduktion durch Familientransfersnicht vorhandennicht erreichtnicht erreichtnicht erreicht
25.1.4 Gesamtfertilitätsratenicht erreichtüberwiegendnicht erreichtnicht erreicht

Gesamtfertilitätsrate

JahrRate
20221,41
20231,32
20241,31

Die Gesamtfertilitätsrate ist eine durchgängige Schwachstelle. Die Kennzahl wurde in nahezu keinem Jahr planmäßig erreicht (Ausnahmen: 2014–2017). Ab 2018 wird sie kontinuierlich verfehlt. Der Rückgang von 1,41 (2022) auf 1,31 (2024) markiert den negativen Trend.

Armutsreduktion durch Familientransfers

JahrReduktion der Armutsgefährdungsquote (Prozentpunkte)
202110
202210
202310
20249

Die Kennzahl 25.1.3 wird seit Einführung (2022) durchgängig als „nicht erreicht“ bewertet – der Zielwert liegt offenbar über den realisierten 9–10 Prozentpunkten.

Familienquote

JahrQuote (%)
20223,2
20233,2
20243,3

Schulbuchaktion (ab 2022 als Globalbudgetmaßnahme erfasst)

SchuljahrGesamtaufwendungen (Mio. EUR)Schüler:innen (Mio.)Pro-Kopf-Entlastung (EUR)
2021/22120,51,17103,21
2022/23126,51,18107,47
2023/24133,751,18113,37

Maßnahmen – Zielerreichung

Maßnahme2021202220232024
Nachhaltige Finanzierung FLAFteilweiseteilweisezur Gänzezur Gänze
Schulbuchaktionüberwiegendüberwiegend

Wesentliche Umfeldentwicklungen

  • 2020: COVID-19-Pandemie reduziert Dienstgeberbeiträge durch angespannte Beschäftigungslage. Sondermaßnahmen (Kinderbonus 360 EUR/Kind, Familienhärtefonds).
  • 2021: Trotz anhaltender Pandemie positive Wirtschaftsentwicklung; FLAF-Überschuss, Schuldenstand sinkt.
  • 2022: Ukraine-Krieg belastet europäische Wirtschaft; dennoch höhere DGB-Einzahlungen durch gute Beschäftigungslage. Erhöhung Familienbonus plus steigert Familienquote.
  • 2023: Senkung Dienstgeberbeitrag von 3,9% auf 3,7%. Valorisierung der Familienleistungen ab Jänner 2023. Trotzdem Überschuss durch hohe Lohnabschlüsse.
  • 2024: Leichter Rückgang der Wirtschaftsleistung. FLAF-Überschuss von 252,2 Mio. EUR; dem Reservefonds zugeführt.

Strukturelle Feststellung

Der Bund ist gesetzlich verpflichtet, Abgänge aus dem FLAF abzudecken. Die Finanzierung der Familienleistungen ist damit institutionell gesichert – unabhängig von der konjunkturellen Lage. Diese Absicherung relativiert die operative Aussagekraft der FLAF-Finanzkennzahlen als Steuerungsinstrument.

SDG-Bezug

  • SDG 1.3: Sozialschutzsysteme – horizontaler Lastenausgleich für Familien als Beitrag zum Sozialschutz.
  • SDG 4.1: Hochwertige Bildung – Schulbuchaktion als Beitrag zu Chancengleichheit aller Schüler:innen.